“Golden Gate” – El Capitan – Team Free Ascent

„Das Team Schäli-Hefti hat super funktioniert und auch in stressigen Situationen den Humor und Mut nicht verloren“, erzählt Roger Schäli, zurück in der Schweiz. Roger Schäli und David Hefti haben sich Mitte Mai einen Traum erfüllt: Die freie Begehung der Route Golden Gate am El Capitan im Yosemite National Park.

Der Traum begann früh morgens am 18. Mai. In den Tagen davor hatten David, für den dies die erste Kletterei am El Cap war, und Roger die Schlüsselseillängen, die im oberen Drittel der Wand auf sie warteten, ausgecheckt und rotpunkt geklettert. Im Lichtkegel der Stirnlampen liefen die ersten trickreichen und plattigen Seillängen, auch als Freeblast bekannt, optimal. Die Hollow-Flacke, das Ear und auch den Monster-Offwidth kletterten die Seilpartner ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Sie genossen die erste Pause am frühen Nachmittag am El Cap Spire – Apfelstrudel aus der Schatsbäckerei in Bishop inklusive.
Bei auffrischendem Wind kletterten sie den Downclimb-Boulder und standen einige Seillängen später im perfekten Abendlicht am Beginn der „Move Pitch“, eine der drei Schlüsselseillängen, die mit 5.13a bewertet ist. „Für mich ein unglaublich cooler, super anspruchsvoller und inspirierender Boulder bei dem ich zu jeder Zeit alles geben musste“, erinnert sich Roger Schäli. Dabei hat er die Seillänge sehr genau vor Augen: Nach abwechslungsreicher Wandkletterei und einem No-Hand-Rest folgt der „Move“. Ein weiter Zug von einem Untergriff über einen Seitgriff an ein Zweifingerloch.
Die restlichen Seillängen an diesem Tag kosten nochmals Energie. Ein 5.11 Offwidth-Riss wird nach achthundert Klettermetern an diesem Tag zur Killerseillänge. Nach 20 Uhr erreichen Roger und David ihr vertikales sweet home, das Portaledge, das am „Tower to the people“ mit erholsamen Schlaf lockte.

Am zweiten Traum-Tag, dem 19. Mai gegen 10 Uhr, sollten die Sonnenstrahlen den harten Kaltstart Richtung Ziel erleichtern. Leicht wurde es allerdings keineswegs.
„Die 5.13a Golden Desert Rissseillänge war an diesem Morgen gnadenlos. Beim ersten Go rutsche ich mit dem Fuß weg. Leider bevor ich den guten Zielgriff am Ende der Crux, ein Layback-Fingerspitzen-Riss, erreichen konnte“ blickt Roger zurück.
Ein knallhartes Erwachen für beide: Kopfüber und vollkommen unkontrolliert flog Roger David entgegen. Sein Fuß war hinter dem Seil hängengeblieben. Ein roter Fleck am Riss und ein blutiger Finger sind zum Glück alles, was davon zeugte.
„Good morning, California!“. Glück gehabt. „David war nun derjenige der die Kohlen aus dem Feuer holen musste“, erzählt der Schweizer. „It looks stable“ rief er David noch zu. Kaum war der erste Sturz verdaut, kam es zu einem Zweiten.
David Hefti fiel von derselben Position, das hochziehende Seil noch in der Hand. Auch er hatte Glück. Beide stürzten ein weiteres Mal an derselben Stelle. Langsam wurden die beiden nervös und die letzten Seillängen der freien Golden Gate Begehung wurden zur Kopfsache. „Nochmals gab ich alles und bei meinem dritten Anlauf klappte es. So nervös wie selten war ich bis zum letzten Meter dieser Seillänge. Ich wollte sie einfach heimbringen und David und mich aus der misslichen Lage befreien“, erklärt Roger Schäli.
Die letzten sechs Seillängen bis zum endgültigen Aufatmen warteten darauf rotpunkt geklettert zu werden. Weitere Überraschungen hielten auch sie bereit. Das Team Schäli-Hefti erkämpfte sich diesen 19. Mai und konnte letztendlich sagen „Yes, we did it!“.

Fotos: Frank Kretschmann, www.funst.de