Serenbachfall

Was geschieht, wenn die in den Medien gross zelebrierte sibirische Kälte auf den höchsten Wasserfall der Schweiz trifft? Ein gewaltiger Eisfall ensteht.

Folglich ist es naheliegend, dass bald auch einige Eiskletterer durch die Eismassen hochklettern werden. So stehen wir sonntags in der Früh vor dem Auto in Betlis und versuchen in der Dämmerung den Serenbachfall zu erspähen. Am Vorabend hat Mathias von den mutmasslichen Erstbegehern diesen tollen Tipp erhalten. Nun wollen auch wir diese einmalige Gelegenheit nutzen. Der Fall ist bald ausgemacht, das Material am Klettergurt und der kleine Rucksack mit Thermosflasche und Daunenjacke geschultert. Nach einstündigem Zustieg stehen wir am Einstieg. Ein faszinierender Anblick. Über dreihundert Meter ragt der Fall in die Höhe.

Ich beginne mit der ersten Seillänge, die Eisqualität ist sehr gut, die Kletterei jedoch schon auf den ersten Metern fordernd. Doch es läuft super und so sind nach den ersten sechzig Metern all meine Zweifel betreffend meiner Form verflogen. Es stimmt im Kopf, denn das ist das Wichtigste beim Eisklettern. In meine dicke Daunenjacke eingehüllt sichere ich nun Mathias beim Weiterklettern, der sofort die nächsten Meter in Angriff nimmt. Ich steige nach und werde sogleich mit kalten Fingern dafür bestraft, dass ich die warmen Handschuhe zum Sichern nicht angezogen habe. Kuhnagel am nächsten Standplatz ist das Resultat dieser Nachlässigkeit. Über steilere Stufen und delikates Blumenkohleis führen uns die nächsten Seillängen weiter nach oben. Andauernd fällt leichter Schnee hinunter, wahrscheinlich von den Bäumen, zwischendurch bedroht der Sprühregen des tosenden Wassers in der Mitte des Eisfalls unsere noch trockenen Kleider. Ohne Zwischenfälle erreichen wir schon bald die letzten sechzig Klettermeter. Während ich mit der Abschlusslänge beginne, verabschieden sich weiter unten, wo die Sonne schon das Eis erreicht hat, einige grössere Eisbrocken. Es ist Zeit zum Aussteigen. Die Kletterei wird einfacher und bald stehen wir zusammen am Ausstieg. Wir freuen uns. Endlich wieder eine „grosse“ Tour.

In Amden mischen wir uns unter die Sonntagsspaziergänger und werden auf dem Weg zu unserem verdienten Bier von so manchem ein bisschen Schräg angeguckt.