Wintermärchen – Piz Badile „Via Cassin“

mit Marcel Schenk.

12. Februar 2015, 19:00 Uhr: zwei strahlende Gesichter auf dem Gipfel des Piz Badile. Es ist windstill, die Temperaturen sind mild. Es ist noch fast hell hier oben, unten im Tal brennen schon die Lichter.

In der Dämmerung morgens um sieben lassen wir unser Depot mit Ski und Skischuhen am Wandfuss hinter uns. Wir begeben uns in ein Abenteuer mit vielen Fragezeichen. Schon im unteren Wandteil stellen uns zwei Schneepilze zeitfressende Herausforderungen. Aus einer Seillänge werden zwei kurze. Die Lawinenschaufel wird plötzlich zum wertvollen Werkzeug um unseren Weg nach oben frei zu räumen. Nun nehmen wir langsam Fahrt auf, doch fast jede Seillänge wartet irgendwo mit einer kniffligen Stelle auf uns. Eine fiese plattige Seillänge im oberen Wandteil zwingt uns zu einer exponierten Umgehung über sechzig Meter. Es ist nun schon fünf Uhr nachmittags, der Ausstieg kommt immer näher. In der Ferne geht neben dem Monte Rosa die Sonne unter als wir unsere Füsse auf die Nordkante setzen. Die letzten Meter zum Gipfel über die verschneite Nordkante sind wild, erfordern nochmals die volle Konzentration.

Dank Schlafsack und Kocher verbringen wir in der Biwakschachtel am Gipfel eine angenehme Nacht. Den Abstieg über die Nordkante beginnen wir schon früh morgens und dürfen ganz oben den Sonnenaufgang geniessen. Wir kommen zügig voran, stehen bald wieder am Einstieg. Auf unserer Skiabfahrt runter zum Auto finden wir weit unten auf dem Gletscher die Kamera wieder, zwar noch in der Hülle, doch in Einzelteile zerstückelt.

Was für eine abenteuerliche Unternehmung fast direkt vor der Haustüre – Danke Marcel!
http://marcelschenk.blogspot.ch/